Am vergangenen Wochenende gingen gefühlte zwei Jahre Regenwetter zu Ende, der Schnee in den Allgäuer Alpen war so gut wie weg und so konnten wir endlich wieder zu einer Tour der spannenderen Sorte aufbrechen: dem von der DAV Sektion Landsberg eingerichteten und erst 2009 eröffneten Klettersteig durch die Nordwand der Lachenspitze (2.126m) in den Tannheimer Bergen. Mit 430m Kletterlänge auf 265 Höhenmetern und Schwierigkeiten bis D schon ein anspruchvolleres Unternehmen.
Tourdaten
Mit dabei: Uli, Steff und Boban
Gehzeit: etwa 6h, davon 2h im Klettersteig
Höhendifferenz: 958m
Höchster Punkt: Lachenspitze, 2.126m
Einkehr: Landsberger Hütte, 1.805m
Schwierigkeit: Zustieg einfach bis mittel, Klettersteig C/D
Ausrüstung: vollständige Berg- und Klettersteigausrüstung, Steinschlaghelm obligatorisch
Literatur: wie immer mein Alpenvereinsführer und ein Flyer mit Topo vom DAV Landsberg
Beschreibung
Wir treffen uns, für einen Samstag ganz schön früh, um 7:00 Uhr auf dem Parkplatz am Vilsalpsee (Tageskarte 6,50€, die Straße dorthin ist zwischen 10 und 17 Uhr gesperrt, in dieser Zeit kann man von Tannheim aus mit dem Bus an den Vilsalpsee fahren), um bei herrlichem wolkenlosem Wetter und für den vor uns liegenden Aufstieg angenehmer Morgenfrische gleich loszulaufen. Es geht links (also östlich) am Seeufer entlang bis zur Materialseilbahn der Landsberger Hütte. Von dort geht es gleich ganz schön steil hinauf und wir freuen uns, dass wir so früh aufgestanden sind. Angesichts der später bevorstehenden Kletterei lassen wir uns Zeit, außerdem muss ich ab und an ja auch Fotografieren, und so erreichen wir etwa zwei Stunden später die Landsberger Hütte, auf 1.805m malerisch über dem Traualpsee gelegen. Der Weg ist ein leicht zu gehender Wanderweg, bis auf die letzten Meter vor der Hütte, die sehr schrofig und nass sind. Unser Ziel die Lachenspitze haben wir schon den gesamten Aufstieg über im Blick. Auf der Hütte gönnen wir uns erstmal eine Tasse Kaffee, um uns für den Klettersteig zu stärken und legen hier auch gleich unsere Klettergurte an. Der Einstieg zum Klettersteig befindet sich nämlich am Rand eines eher ungemütlichen Geröllfelds am Wandfuß, wo wir nicht lange mit der Ausrüstung herumhantieren wollen.
Die Kaffeepause währt nicht lange, wir wollen vor Mittag auf dem Gipfel sein. Wie schon erwähnt müssen wir ein Geröllfeld aufsteigen, um zum Einstieg des Klettersteiges zu gelangen. Kurz vor dem Einstieg ermahnt uns eine Tafel an einem Felsblock, doch bitte Sicherheitsausrüstung und vor allem auch einen Helm aufzusetzen, bevor wir weitergehen. Direkt neben dem Einstieg befinden sich ein paar kurze Seillängen zum Ausprobieren, ob man der Schwierigkeiten gewachsen ist; der Klettersteig selbst beginnt, so wie es sein soll, gleich mit dem schwersten Stück, einer abweisenden, griffarmen Platte, die mit C/D bewertet ist. Die nächsten zwei Stunden vergehen wie Flug mit wirklich schöner Kletterei, die wir bis auf die schwierigsten Stellen frei ohne Stahlseilhangeln genießen. Ich klettere mit Kletterschuhen, so dass ich stellenweise sogar schwierige Passagen oder Platten auf Reibung klettern kann, die anderen in der Gruppe haben mit ihren Bergschuhen aber auch keinerlei Schwierigkeiten beim Klettern. Durch die Nordausrichtung brennt uns die Sonne nicht auf den Rücken, auch einige Wolken sorgen dafür, dass es nicht zu heiß wird. Immer wieder gibt es Stellen, an denen wir kurz verweilen, die Aussicht auf die umliegenden Berge und die Seen genießen und ein wenig verschnaufen können. Der Fels ist meist fest, aber häufig auch bröselig, so dass wir ab und zu statt Griffen nur lose Steine in den Händen halten. Die Steilschlaggefahr ist nicht zu unterschätzen, sobald jemand über uns klettert fallen ständig Steinchen bis Steine herunter. Pünktlich zum Mittagessen erreichen wir dann den Gipfel auf 2.126m, der uns nun auch eine grandiose Sicht nach Süden auf die Lechtaler Alpen und noch viel weiter eröffnet.
Nach einer langen Brotzeitpause steigen wir auf dem Wanderweg auf der Südseite der Lachenspitze wieder ab. Der ist auch kein Spazierweg, sondern ziemlich schrofig und geröllig und ich muss einmal sogar einem rasiermesserscharfen, tellergroßen Brocken ausweichen, der unverhofft auf mich zufliegt. Der Abstieg bis zur Landsberger Hütte zurück dauert eine knappe Stunde und dort lassen wir uns nochmal Kaffee, Topfenstrudel und Radler schmecken. Weil das Wetter so schön ist und wir es nicht eilig haben, sitzen wir hier noch eine ganze Weile in der Sonne, bis wir uns wieder auf den Weg ins Tal machen. Dafür brauchen wir etwa eine Stunde, die sich aber wie immer ziemlich lange hinzieht und sich dank der Hitze auch einigermaßen schweißtreibend gestaltet. Das macht aber gar nichts, geht es uns doch so viel besser als den ganzen armen Wanderern, die uns so spät am Tag noch bergauf entgegen kommen. Wieder am Vilsalpsee angekommen, strecken wir unsere geschundenen Füße in das eiskalte Wasser und kühlen auch den Bauch nochmal mit einem frisch gezapften Radler. Alles in allem wars eine herrliche Tour, nicht ganz so anstrengend wie wir vorher noch befürchtet hatten. Wanderung, Kletterei, Aussicht, Wetter, Hütte…an diesem Samstag stimmte einfach alles.
Ein kritischer Satz zum Schluss: ich kann nicht verstehen, wie manche Bergsteiger solche Routen ohne Sicherung und vor allem ohne Helm klettern. Wenn sie die Absturzgefahr nicht scheuen, ist das ja erstmal ihre Sache und mir ist das wirklich wurscht, sofern ich dann nicht erste Hilfe leisten muss. Aber in einem Klettersteig, in dem man ständig von oben mit Steinen beworfen wird und immer andere Bergsteiger unter einem klettern, finde ich das einfach unverantwortlich. Ein vom Stein getroffener, abstürzender Bergsteiger kann ja auch andere aus der Wand reißen und gefährlich verletzen. Und das lässt sich so einfach vermeiden.
Karte und Höhenprofil
Das gibts diesmal leider nicht, weil mein iPhone mich unterwegs im Stich gelassen hat.
Fotos
Flickr-Album (wer auf flickr mein Freund wird, bekommt auch die nicht-öffentlichen Fotos mit kletternden Menschen drauf zu sehen)




























